Triebwagen und Beiwagen – Ein Wagenkasten und vier Achsen

Im Auftrag der DDR wurde die Bauart T4D/B4D von CKD Praha produziert. Ihm vorausgegangen ist die Bauart T3, die bereits in Prag (Tschechien) im Einsatz war. Doch die Wagenkastenbreite betrug 2,50 Meter und in der DDR waren nur 2,20 Meter üblich, mit Ausnahme der Städte Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) und Schwerin, die ihr Streckennetz angepasst haben. Der Triebwagen T3 bzw. T4D steht für Triebwagen der 3. und 4. Generation der Tatrafamilie und für die DDR. Ein Dreiwagenzug, bestehend aus drei T3, wurde 1964 bis 1965 in Dresden erprobt. Es bestand aber ein Begegnungsverbot mit anderen Fahrzeugen, weshalb nur überwiegend nachts gefahren werden konnte. Im Jahr 1967 wurde der T4D-Prototyp in Prag (Tschechien) und danach in Dresden (DDR) ge-testet. Während man in Prag mit zwei Triebwagen fuhr, wollte man in der DDR einen passenden Beiwagen haben, den der Hersteller nicht vorsah. So wurde für den T3D und T4D der B3D und B4D entwickelt. Später wurden sogar Großzüge, bestehend aus zwei Triebwagen und einem Beiwagen, eingesetzt. Die Serienlieferung folgte ab 1968 nach Karl-Marx-Stadt (Chemnitz), Dresden, Halle (Saale), Leipzig, Magdeburg und Schwerin. Die Farbgebung in Dresden und Halle (Saale) war das der Prager Straßenbahn in elfenbein und rot, lediglich Leipzig und Magdeburg waren elfenbein mit blauem bzw. grünem Zierstreifen. Die T3 wurden neben der DDR auch nach Jugoslawien, in die Sowjetunion und nach Rumänien geliefert, sodass insgesamt 13.991 T3D und 122 B3D sowie für die DDR 2635 T4D und 874 B4D produziert wurden.

Auf www.strassenbahnen-online.de zum T3D/B3D und auf www.strassenbahnen-online.de zum T4D/B4D gibt es Fahrzeuglisten (keine Haftung).

   

Fahrzeugbeschreibung

Der T3D und B3D besteht jeweils aus einem Wagenkasten mit zwei zweiachsigen Drehgestellen. Vorhanden sind drei Doppelflügeltüren. Die Länge beträgt 14.000 mm und über Kupplung 15.200 mm, die Höhe ist 3050 mm und die Breite 2500 mm. Das Leergewicht beträgt 16.800 Tonnen beim Triebwagen und 13.500 Tonnen beim Beiwagen. Er hat eine Stundenleistung von 160 kW, eine Gleichspannung von 600 Volt und kann 55 bis 65 km/h schnell fahren. Ausge-stattet sind die Fahrzeuge mit Beschleuniger. Im Fahrgastsraum stehen für den Triebwagen bei einer 1+1-Bestuhlung 23 Sitzplätze und 87 Stehplätze sowie im Beiwagen bei 1:1-Bestuhlung 28 Sitzplätze und 96 Stehplätze zur Verfügung.

Der T4D und B4D besteht jeweils aus einem Wagenkasten mit zwei zweiachsigen Drehgestellen. Vorhanden sind drei Doppelflügeltüren. Die Länge beträgt 14.000 mm und über Kupplung 15.200 mm, die Höhe ist 3063 mm und die Breite 2200 mm. Das Leergewicht beträgt 17,6 Tonnen beim Triebwagen. Er hat eine Stundenleistung von 176 kW, eine Gleichspannung von 600 Volt und kann 55 bis 65 km/h schnell fahren. Ausgestattet sind die Fahrzeuge mit Beschleu-niger. Im Fahrgastraum stehen für den Triebwagen bei einer 1+1-Bestuhlung 20 Sitzplätze und bei 1+2-Bestuhlung 26 Sitzplätze und 77 bzw. 88 Stehplätze sowie beim Beiwagen bei einer 1+1-Bestuhlung 22 Sitzplätze und bei 1+2-Bestuhlung 28 Sitzplätze und 72 Stehplätze zur Verfügung.

Die Einsätze

In der DDR und vereinzelt bis heute (Stand Juli 2019), verkehren in Chemnitz (Sachsen) die T3D als Trakt sowie in Dresden (Sachsen), Halle (Saale) (Sachsen-Anhalt) und Leipzig (Sachsen) die T4D/B4D als Zug, Trakt und Großzug. Über 2020 hinaus, werden die T4D/B4D verkehren.

Modernisierung und Weiterentwicklung

Die T3D/B3D und T4D/B4D kamen als Einrichtungsfahrzeuge in die DDR, da Wendeschleifen und Gleisdreiecke vorhanden waren. Wenn Kuppelendstellen bzw. eingleisige Abschnitte im Baustellenverkehr bedient wurden, wurden die Fahrzeuge Heck-an-Heck gekoppelt. Um die Fahrgastkapazität zu erhöhen, wurden in Dresden und Leipzig zwischen den zwei T4D ein B4D gekoppelt, der auf der Fensterseite zwei Doppelflügeltüren erhielt. In Magdeburg entstand ein unechter Zweirichtungswagen. Das heißt, es befindet sich am anderen Kopfteil ein Führerstand, aber die Türen verbleiben nur auf einer statt zwei Seiten, sodass nur von einer Straßen- und Haltestellenseite zugestiegen werden kann. 1983 baute der VE Verkehrsbetrieb Halle zwei Einrichtungs- zu Zweirichtungs-wagen um, die auf der Fensterseite zwei Doppelflügeltüren erhielten, und für die Weichensteuerung, die über Kontakte mit dem Stromabnehmer gesteuert wurde, einen zweiten Bügel. Der Hersteller CKD Praha war dazu nicht in der Lage. 1986 baute Halle (Saale) aus zwei Trieb- und einem Beiwagen einen Zweirichtungszug. Dabei erhielten die Triebwagen keinen zweiten Führerstand, sondern lediglich zwei Doppelflügeltüren auf der Fensterseite, und der Bei-wagen, der in der Mitte gekoppelt war, erhielt auf der Fensterseite nur an den Wagenenden zwei Doppelflügeltüren. Die Stadt Leipzig erhielt die größte Anzahl dieser Fahrzeuge und hatte demnach auch das größte Modernisierungsprogramm, dass von 1991 bis 1998 stattfand. Neu waren unter anderem der Fahrgastraum, Innenlautsprecher und Rollfilmanzeigen. Weitere Umbauten, wie ein unechter Triebwagen in Dresden, folgten. 2002 bis 2005 wurden acht Leipziger B4D-M mit einem Niederfluranteil versehen, um das Angebot für bewegungseingeschränkte Personen zu erweitern. In Wagenmitte befanden sich nun zwei Doppelflügeltüren mit großem Mehrzweckbereich und Klappsitzen. Seitlich ging es über drei Stufen in den Hochflurbereich.

   

Museumsfahrzeuge

In Städten, wo heute keine T3D/B3D bzw. T4D/B4D mehr fahren, wurde ein Exemplar als Museumswagen erhalten. Aber auch in Städten, wo sie noch einen Teil des Fuhrparks ausmachen, ist teils schon ein Museumswagen vorhanden. Alle Museumswagen sind betriebsbereit und können im Museum oder beim Tag der offenen Tür in Betriebshöfen besichtigt werden und laden an Öffnungstagen zu Rundfahrten ein.

   

Stadt Wagennummer Baujahr Farbgebung Depot (öffentlich)
Chemnitz 401 1968 elfenbein, rot Straßenbahnmuseum Chemnitz
Chemnitz 402 1968 elfenbein, rot Straßenbahnmuseum Chemnitz
Chemnitz 409 1978 elfenbein, rot Straßenbahnmuseum Chemnitz
Chemnitz 410 (Arbeitswagen) 1978 elfenbein, rot Straßenbahnmuseum Chemnitz
Chemnitz 713 (Arbeitswagen) 1973 elfenbein, rot Straßenbahnmuseum Chemnitz
Dresden 2000 1967 elfenbein, rot Straßenbahnmuseum Dresden
Dresden 222 998-7 1968 elfenbein, rot Straßenbahnmuseum Dresden
Dresden 272 105-7 1969 elfenbein, rot Straßenbahnmuseum Dresden
Halle (Saale) 900 (ex 901, ZR) 1969 elfenbein, rot Historisches Straßenbahndepot Halle
Halle (Saale) 901 (ex 924) 1971 elfenbein, rot Historisches Straßenbahndepot Halle
Halle (Saale) 931 (1067) 1978 elfenbein, rot Historisches Straßenbahndepot Halle
Halle (Saale) 101 1967 elfenbein, rot Historisches Straßenbahndepot Halle
Leipzig 1602 1969 elfenbein, blauer Zierstreifen Straßenbahnmuseum Leipzig
Leipzig 520 1968 elfenbein, blauer Zierstreifen Straßenbahnmuseum Leipzig
Magdeburg 1001 1969 elfenbein, grüner Zierstreifen Straßenbahnmuseum Magdeburg
Magdeburg 1120 1975 elfenbein, grüner Zierstreifen Straßenbahnmuseum Magdeburg
Magdeburg 2002 1969 elfenbein, grüner Zierstreifen Straßenbahnmuseum Magdeburg
Schwerin 417 1988 elfenbein, rot Traditionsbahn Schwerin
Schwerin 418 1988 elfenbein, rot Traditionsbahn Schwerin
Schwerin 359 1988 elfenbein, rot Traditionsbahn Schwerin

In der Kategorie MUSEUM gibt es Galerien zu einzelnen Museumswagen, die auch über einen Klick auf den oben genannten Stadtnamen zu sehen sind.

 

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