Der Kurzgelenktriebwagen – Zwei Wagenteile, ein Gelenk und vier Achsen

Nach der Bauart T4D/B4D wurde für die DDR ein zweiter Tatra-Fahrzeugtyp von CKD Praha produziert. Der Gelenktriebwagen KT4D - er steht für Kurzgelenk-triebwagen in der 4. Generation für die DDR. Das K ist tschechisch und steht für kloubová tramvaj, übersetzt Gelenkwagen. Weshalb Kurzgelenkwagen falsch ist. Er besitzt die für die DDR typische Wagenkastenbreite von 2,20 Meter und ist als Einrichtungsfahrzeug ausgebildet. Im Jahr 1972 wurden zwei Prototypen gebaut, die zunächst in Prag (Tschechien) und später in Potsdam (DDR) getestet wurden. Diese beiden Triebwagen gelangten anschließend in den Fuhrpark des VEB (K) Verkehrsbetrieb Potsdam. In einer Nullserie - erprobte Fahrzeuge, bis sie in Serie geliefert werden können - kamen 1976 33 KT4D nach Berlin (Ost-Berlin), Erfurt, Leipzig und Plauen. Ihre Farbgebung war in elfenbein mit roter Schürze gehalten, die dem Farbkleid der Prager Straßenbahnen ent-sprach. Nur in Leipzig wurde eine Ausnahme gemacht und erhielt vier Farbgebungen. Die Serienfahrzeuge folgte ab 1977 nach Berlin (Ost-Berlin), Branden-burg an der Havel, Cottbus, Erfurt, Frankfurt/Oder, Gera, Gotha, Görlitz, Plauen und Zwickau. Die Großstadt Leipzig blieb bei ihren acht Fahrzeugen und verkaufte sie acht Jahre später an Ost-Berlin. Der Grund war, dass sie gegenüber dem Großzug T4D+T4D+B4D mit einer Gesamtlänge von 45 Metern in Doppeltraktion mit 36 Metern kein großes Fahrgastvolumen aufnehmen konnten. 1992 bis 1994 erhielt Schöneiche (Brandenburg) acht KT4D aus Cottbus (Brandenburg). Auch Potsdam (Brandenburg) erhielt weitere KT4D, die aus Berlin kamen. Die KT4 wurden neben der DDR auch in die Sowjetunion und nach Jugoslawin geliefert, sodass insgesamt 1801 Fahrzeuge produziert wurden.

Auf www.strassenbahn-online.de gibt es Fahrzeuglisten mit Anlieferungen, Käufen und Weitergabe sowie Modernisierungen (keine Haftung).

   

Fahrzeugbeschreibung

Der KT4D besteht auch zwei Wagenkästen, die durch ein Gelenk verbunden sind. Jeder Endwagen ruht auf einem zweiachsigen Drehgestell. Vorhanden sind jeweils zwei Doppelflügeltüren pro Endwagen. Die Länge beträgt 18.110 mm und über Kupplung 19.015 mm, die Höhe ist 3100 mm und die Breite 2200 mm. Das Leergewicht beträgt 20,3 Tonnen. Er hat eine Stundenleistung von 160 kW, eine Gleichspannung von 600 Volt und kann 55 bis 65 km/h schnell fahren. Ausgestattet sind die Fahrzeuge mit Beschleuniger- oder Thyristorsteuerung - der Thyristor dient zum ruckfreien Anfahren und Bremsen. Im Fahrgastraum stehen 26 bis 38 Sitzplätze und 83 bis 105 Stehplätze zur Verfügung.

Die Einsätze

In der DDR und vereinzelt bis heute (Stand Juli 2019), verkehren in Berlin, Brandenburg an der Havel (Brandenburg), Cottbus (Brandenburg), Frankfurt/Oder (Brandenburg), Gera (Thüringen), Gotha (Thüringen), Görlitz (Sachsen), Plauen (Sachsen) und Zwickau (Sachsen) die KT4D solo und in Doppeltraktion. Bei ihrer Modernisierung erhielten die KT4D in Brandenburg an der Havel, Cottbus und Gera ein Mittelteil mit Niederflureinstieg und wurden dadurch verlängert. Über 2020 hinaus, werden die KT4D verkehren. So hat die Stadt Görlitz einen reinen KT4D-Straßenbahnfuhrpark.

Modernisierung und Weiterentwicklung

Die KT4D kamen als Einrichtungsfahrzeuge in die DDR, da Wendeschleifen und Gleisdreiecke vorhanden waren. Wenn Kuppelendstellen bzw. eingleisige Abschnitte im Baustellenverkehr bedient wurden, wurden die Fahrzeuge Heck-an-Heck gekoppelt. Doch die Verkehrsbetriebe in Erfurt und Gotha haben sie zu unechten Zweirichtungswagen umgebaut. Das heißt, es befindet sich am anderen Kopfteil ein Führerstand, aber die Türen verbleiben nur auf einer statt zwei Seiten, sodass nur von einer Straßen- und Haltestellenseite zugestiegen werden kann. Die Stadt Ost-Berlin erhielt die größte Anzahl von KT4D und hatte demnach auch das größte Modernisierungsprogramm, dass von 1993 bis 1997 stattfand. Die Hälfte des Fuhrparks wurde modernisiert. Und teils auch mit einer Thyristorsteuerung ausgestattet. Auch in den anderen Städten fanden Modernisierungen statt. Dazu gehören, zum Beispiel, eine Matrixanzeige, Laut-sprecher im Inneren für Haltestellenansagen und Außenschwenktüren. Um ein Niederflurangebot für bewegungseingeschränkte Fahrgäste zu ermöglichen, wurden die Fahrzeuge durch ein Mittelteil verlängert. Das Mittelteil hat einen niederflurigen Einstieg mit Mehrzweckfläche und Sitzplätzen. An den Wagen-enden gelangt man über Stufen in den Hochflurbereich der Endwagen. Daraus entstanden sechs- und achtachsige Fahrzeuge für Brandenburg an der Havel, (Brandenburg) Cottbus (Brandenburg) und Gera (Thüringen). Denn, die einen entschieden sich für zwei Achsen, die das Mittelteil tragen, und die anderen für vier Achsen.

   

Museumsfahrzeuge

In Städten, wo heute keine KT4D mehr fahren, wurden ein Exemplar als Museumswagen erhalten. Aber auch in Städten, wo sie noch einen Teil des Fuhr-parks ausmachen, ist teils schon ein Museumswagen vorhanden. Auch Leipzig, die nur acht Jahre den Typen besaß, holte 1997 einen Triebwagen aus Berlin zurück und erfreut sich seitdem größter Beliebtheit. Alle Museumswagen sind betriebsbereit und können im Museum oder beim Tag der offenen Tür in Betriebshöfen besichtigt werden und laden an Öffnungstagen zu Rundfahrten ein.

Stadt Wagennummer Baujahr Farbgebung Depot (öffentlich)
Berlin 219 282 (ex 219 482)   elfenbein, rot Straßenbahnmuseum Berlin
Berlin 218 481   elfenbein, orange, dunkelbraun Straßenbahnmuseum Berlin
Cottbus 65 (zurzeit Arbeitswagen) 1990    
Erfurt 512 (Stadtrundfahrtwagen) 1986 weiß, rot  
Erfurt 522 (Stadtrundfahrtwagen) 1987 weiß, rot  
Erfurt 530 (Stadtrundfahrtwagen) 1987 weiß, rot  
Erfurt 401 1975 weiß, rot Eisenbahnmuseum Weimar
Erfurt 405 (ZR) 1975 weiß, rot Eisenbahnmuseum Weimar
Gera 320 1983 elfenbein, orange Straßenbahnmuseum Gera
Gotha 304 1981 elfenbein, roter Zierstreifen  
Leipzig 1308 (ex 219 320, ex 9320, ex 1308) 1976 elfenbein, orange Straßenbahnmuseum Leipzig
Potsdam 001 1974 elfenbein, rot  
Frankfurt/Oder 212   elfenbein, rot  
Plauen 216 (im Linienverkehr) 1983 elfenbein, rot  
Zwickau 947 (im Linienverkehr) 1990 elfenbein, rot  

In der Kategorie MUSEUM gibt es Galerien zu einzelnen Museumswagen, die auch über einen Klick auf den oben genannten Stadtnamen zu sehen sind.

 

zurück zu TECHNIK