Die Fahrzeuge der ersten Generationen – Aber heute unbeliebt bei den Fahrgästen

Wer heute mit der Straßenbahn fährt, hat entweder das Glück, in einem Niederflurwagen zu sitzen, oder in einem der noch zahlreich vertretenen Hochflur-wagen. Vor allem bei den kleineren Betrieben sind sie noch anzutreffen oder machen sogar den gesamten Fuhrpark aus. Die erste elektrische Straßenbahn, die Werner von Siemens erfand, war ein Hochflurwagen, und auch die folgenden Generationen waren welche. Der Grund, dass Fahrgestell musste über-brückt werden, um in den Fahrgastraum zu gelangen. Dies war nur durch Stufen möglich. Und damals gab es noch keine Bahnsteige. Doch man hatte sich schon frühzeitig an den Gedanken gewagt, Niederflurwagen zu konstruieren - zumindest mit einem niedrigen Einstieg in Fahrzeugmitte. Bewährt haben sich aber weiterhin die Hochflurwagen. Und auch, als der Hersteller MAN den ersten durchgehenden Niederflurwagen in den 1980er Jahren baute, blieb man danach bei Hochflurwagen. Denn es gibt zwei Unterschiede bei dieser Gattung: Die eine ist über Stufen erreichbar und die andere ist ebenerdig, wenn Hoch-bahnsteig vorhanden sind. Die Rede ist von den Stadtbahnwagen, die vor allem ab den 1960er Jahren in der Bundesrepublik Deutschland Einzug hielten. In der DDR dagegen, hieß sie Schnellstraßenbahn und setzte weiterhin auf Hochflurfahrzeuge mit Stufen. Und in den neuen Bundesländern gibt es nun auch Stadtbahnen, die aber nichts mit der Definition Stadtbahn zutun haben, sondern lediglich auf ein modernes und schnelles Straßenbahnsystem zielen. Unbe-liebt bei vielen Fahrgästen sind die Hochflurwagen - außer Stadtbahn -, egal ob mit oder ohne Bahnsteig, weil sie nicht barrierefreie sind und vor allem bewegungseingeschränkte Personen, Rollstuhlfahrer und Kinderwagen Probleme beim Ein- und Ausstieg haben. So bauten die Verkehrsbetriebe in ihren oder anderen Werkstätten die Hochflurwagen so um, dass sie in Fahrzeugmitte ein Niederflurteil besitzen, oder sie wurden durch einen Niederflurwagenkasten verlängert.

   

Hochflurwagen mit Niederflureinsteig

Um bewegungseingeschränkten Fahrgästen einen niedrigeren Einstieg in Hochflurwagen zu ermöglichen, versahen viele Verkehrsbetriebe in den 1990er ihre Fahrzeuge mit einem Niederfluranteil. Beispielsweise wurden die Tatrawagen des Typs KT4D (Kurzgelenkwagen) um ein niederfluriges Mittelteil ergänzt und dadurch verlängert - es konnten zusätzliche Fahrgäste befördert werden. Über Stufen gelangte man in die hochflurigen Endwagen. Dasselbe mit den Düwag-wagen, wo das Mittelteil einen Niederflureinstieg mit Mehrzweckfläche für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen erhielt.

   

Generationen der Hochflurwagen

Zwischen den ersten Pferdebahnwagen, der elektrischen Straßenbahn und heute sind über 140 Jahre Entwicklungszeit vergangen. Waren es anfangs noch kurze Wagen, die zu einem Zwei- oder Dreiwagenzug gekoppelt wurden, kamen Ende der 1920er Jahre die ersten Gelenkwagen. Statt eines Zweiwagen-zugs, konnte nun in derselben Länge ein durchgehbarer Straßenbahnwagen angeboten werden. Sie fuhren einzeln, mit Beiwagen oder in Doppeltraktion. Aber auch der Beiwagen konnte ein Gelenkbeiwagen sein. In der damaligen Bundesrepublik waren bis zu 40 Meter lange Gelenkwagen im Einsatz. Und dann ist die Frage, beschaffen die Verkehrsbetriebe kurze Wagen, um sie in Hauptverkehrszeiten als Doppeltraktion fahren zulassen, oder kaufen sie lange Wagen und transportieren in der ruhigen Zeit heiße Luft. So wurden beim Beiwagenbetrieb in Schwachlastzeiten die Beiwagen an den Wendeschleifen abgestellt und bei Starklastzeiten wieder gekoppelt.

   

Stadtbahnen im Westen

In Deutschland sind zwei Definitionen von Stadtbahn vertreten. Die korrekte ist, dass es sich um ein modernes Straßenbahnsystem mit Hochflurwagen und eigenem Bahnkörper handelt. Und die falsche ist, die sich vor allem in den neuen Bundesländern verbreitet hat, ein modernes Straßenbahnsystem mit Niederflurwagen und eigenem Bahnkörper. Der Unterschied sind also die Fahrzeuggattungen. Doch bereits zur Gründung der ersten Pferde- und Straßen-bahnbetriebe wurde das Wort Stadtbahn verwendet. In den 1960er Jahren nahm der Autoverkehr in den alten Bundesländern ernorm zu und für viele Menschen war die Straßenbahn nur noch ein Hindernis, fuhr sie trotz teilweise auf eigenen Strecken, ansonsten mitunter dem Autoverkehr. Es musste eine neue Lösung her, wie beide Verkehrsmittel sich in der Stadt vertragen können. Und so entstand die Stadtbahn, die ausschließlich aus Hochflurwagen besteht und über einen niedrigen Zustieg ohne Bahnsteige und/oder über einen ebenerdigen Zustieg mit Hochbahnsteigen verfügt. Zudem taucht die Stadtbahn vor der Innenstadt in einen Tunnel ab und wird zur U-Bahn. Dadurch stehen nun mehr Fahrspuren den Autofahrern zur Verfügung. Nach verlassen der Innen-stadt taucht die Stadtbahn wieder an der Oberfläche auf.

 

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