Die Straßenbahn verbindet Stadt und Umland – Halle (Saale) hat die längste Überlandstraßenbahnstrecke

Nicht nur Omnibusse verkehren von der Großstadt in die Umlandgemeinden, um sie an den Nah- und Fernverkehr anzubinden. Auch Straßenbahnen werden Überland eingesetzt, um sie schneller, staufreier und mit hoher Fahrgastkapazität in die Stadt zubringen. Die Streckenführung ist meistens eingleisig und besitzt an den Haltestellen Ausweichen. Frequentierte Straßenquerungen sind signalisiert. Für die Endhaltestellen gibt es Wendeschleifen und Gleisdreiecke oder für einen Zweirichtungsbetrieb mit Stumpfgleis. Der Haltestellenabstand der Überlandstraßenbahn ist höher, als im Stadtgebiet.

Neben Verbindungen zwischen Großstadt und Umland, gibt es auch Verbindungen in die nächste Großstadt. So beispielsweise in Nordrhein-Westfalen zwischen Bochum und Gelsenkirchen oder Düsseldorf und Krefeld. In Sachsen verkehren die Dresdner Verkehrbetriebe in die Umlandstädte Weinböhla,
Coswig und Radebeul. Dabei kreuzt sie in Radebeul auf der Meißner Straße die Lößnitzgrundbahn (Schmalspurbahn) und in Leipzig führen zwei Linien in die Nachbarstädte: Linie 3 nach Taucha, Linie 11 nach Schkeuditz und nach Markkleeberg. Die länge Überlandstraßenbahnstrecke befindet sich in Halle (Saale) in Sachsen-Anhalt und verknüpft die Orte Schkopau, Merseburg, Leuna und Bad Dürrenberg. Bekannt ist auch die Thüringerwaldbahn zwischen Gotha und Tabarz.

Vorstellung ausgewählter Betriebe

DRESDEN-RADEBEUL-COSWIG-WEINBÖHLA

Nordwestlich von Dresden (Sachsen) liegen die Städte Radebeul, Coswig und Weinböhla, die die Linie 4 der Dresdner Verkehrsbetriebe mit einer Länge von 29 Kilometern und 28 Haltestellen, wovon drei Endhaltestellen sind, bedient. Damit ist sie eine Vier-Städte-Linie und die längste Straßenbahnlinie im Netz.
Die Haltestellen zwischen Radebeul, Zinzsendorfstraße und Radebeul, Eisenbahnbrücke befinden sich in der Stadt Radebeul im Landkreis Meißen mit 34.000 Einwohnern. Und die Haltestellen Coswig, Radebeuler Straße bis Coswig, Steinbacher Weg in der Stadt Coswig im Landkreis Meißen mit rund 20.900 Ein-wohnern. Sowie von der Haltestelle Coswig, Steinacher Weg bis Weinböhla, Rathausstraße in der Stadt Weinböhla im Landkreis Meißen mit rund 10.400 Einwohnern. Im Jahre 1880 stellten die Orte an der Lößnitz im Sächsischen Hügelland eine Petition für eine Pferdebahn zur besseren Verkehrsanbindung, die aber unbeantwortet blieb. Zwei Jahre später ging jedoch ein Pferdeomnibus zwischen Radebeul und Dresden in Betrieb. 1893 stellte man den Antrag für eine Straßenbahn zwischen Kötzschenbroda (1935 zur Stadt Radebeul eingemeindet) und Dresden, der abgelehnt wurde. Zwei Jahre später wurde ein weiterer Antrag gestellt, diesmal von Oskar Ludwig Kummer, Unternehmer und Ingenieur und entwickelte unter anderem Fahrschalter und Fahrmotoren für Straßen-bahnen, für eine elektrische Straßenbahn von Dresden-Pieschen nach Kötzschenbroda. 1895 entstand das Elektrizitätswerk Niederlößnitz, das später die Straßenbahn mit Strom versorgen sollte. 1897 erhielt die Dresdner Straßenbahn-Gesellschaft vom Königreich Sachsen den Auftrag, die neue Straßenbahn-verbindung nach Kötzschenbroda zu betreiben. Sie besaß eine Spurweite von 1000 mm, gegenüber der Regelspur von 1435 mm, um keine Konkurrenz zum Zug darzustellen. 1897 wurde im Dresdner Stadtteil Mickten ein Straßenbahnhof errichtet, der auch von der Dresdner Straßenbahn genutzt wurde. Und am
21. August 1899 wurde der erste Abschnitt vom Straßenbahnhof Mickten nach Radebeul zum Gasthof Weißes Roß eröffnet. Dazu folgte am 12. Oktober 1899 der zweite Abschnitt bis Kötzschenbroda, Meißner Straße Ecke Moritzburger Straße. Die Haltestelle am Straßenbahnhof Mickten war dreispurig, da sie die Spurweite der Dresdner Straßenbahn von 1450 mm und die Spurweite der Überlandstraßenbahn von 1000 mm besaß. Wer also ins Dresdner Zentrum wollte, musste in Mickten umsteigen. Am 25. Dezember 1920 wurde der dritte Abschnitt von Kötzschenbroda nach Coswig in Betrieb genommen. 1907 haben die Orte an der Lößnitz eine Petition gestellt, die Straßenbahn durch Coswig zu verlängern und auf die Spurweite der Dresdner Straßenbahn umzustellen. Der Bau wurde genehmigt, aber die Änderung der Spurweite nicht. 1926 wurde die Fahrzeuge an die Dresdner Überland-Verkehr GmbH (DRÜVEG) verkauft, um die Infrastruktur zu sanieren. Die DRÜVEG sollte beim Ausbau die Meterspurstrecke auf Normalspur umbauen. Der Ausbau zwischen Coswig und Krötzschenbroda ging am 20. Juli 1929 in Betrieb - am selben Tag auch der Straßenbahnhof Coswig. Bis 1930 erfolgte dann der Streckenausbau zwischen Kötschenbroda und Dresden-Mickten. Damit entfiel das Umsteigen auf die Überlandstraßenbahn. Der Meterspurverkehr wurde am 27. Juni 1930 eingestellt. Und am 5. Juli 1930 war es dann soweit: Die Linie 15 der Dresdner Straßenbahn von Dresden-Coschütz, mit Halt am Straßenbahnhof Mickten, fuhr nach Radebeul und Coswig. Fast anderthalb Jahre später, am 14. November 1931, wurde der vierte Abschnitt nach Weinböhla in Betrieb genommen. Die Wagen-halle des Straßenbahnhofs Mickten für die Überlandstraßenbahn wurden fortan als Betriebswerkstatt für Omnibusse und Nutzfahrzeuge umgebaut. 1992 wurde dieser Straßenbahnhof geschlossen, danach teilweise abgebrochen und ist seit 2009 ein Einkaufszentrum. Die Halle der Überlandstraßenbahn besteht noch teilweise. Der Straßenbahnhof Coswig wurde bis 1992 für den Linienverkehr genutzt, danach diente er bis 1996 als Straßenbahnmuseum. Eine letzte Betriebsphase erlebte der Hof im Sommer 2003 bei einem Pendelverkehr zwischen Weinböhla und Radebeul. Am Gasthof Weißes Roß kreuzt die Straßen-bahn die Schmalspurbahn - die Lößnitzgrundbahn zwischen Radebeul-Ost, Moritzburg und Radeberg. Im Frühjahr 2006 wurde der Betriebshof abgebrochen. Die Überlandstrecke wird tagsüber im 10-Minuten-Takt bedient. Zum Einsatz kommen die Fahrzeuge des Typs NGT6DD - 30-Meter-Einheit - und NGTD12DD - 45-Meter-Einheit. Zurzeit (Stand Juli 2019) wird ein Abschnitt der Meißner Straße in Radebeul ausgebaut.

   

SCHKEUDITZ-LEIPZIG-MARKKLEEBERG

Die Linie 11 der Leipziger Verkehrsbetriebe (Sachsen) ist 22,1 Kilometer lang, besitzt 31 Haltestellen, wovon vier Endhaltestellen sind, und die Städte Schkeuditz, Leipzig und Markkleeberg verbindet. Damit ist sie eine Drei-Städte-Linie und die längste Straßenbahnlinie im Netz. Die Haltestellen zwischen Hänichen, Bismarckturm und Schkeuditz, Rathausplatz befinden sich in der Stadt Schkeuditz im Landkreis Nordsachsen. Die Stadt Schkeuditz hat rund
18.100 Einwohner. Um die größeren Orte um Leipzig mit dem Straßenbahnnetz zu erschließen, wurde am 6. Februar 1900 die Leipziger Außenbahn AG (LAAG) gegründet, der Betrieb wurde aber von der Großen Leipziger Straßenbahn (GLSt) übernommen. Im Jahr 1900 endete die Straßenbahn im Nord-westen im Ortsteil Möckern. Neueröffnungen waren im Dezember 1900 nach Wahren, Linkelstraße; im Juni 1905 über Stahmeln nach Lützschena, Gasthof; und am 27. Oktober 1910 nach Schkeuditz, Depot. Ab Stahmeln war die Überlandstraßenbahn als Kleinbahn vom Preußischen Kleinbahngesetz konzessio-niert. Das heißt, es wurde auch eine Landesgrenze überfahren und es galten andere Regeln und Gesetze, als in Sachsen. Die Haltestellen zwischen Dölitz, Straßenbahnhof und Markkleeberg-Ost, Schillerplatz befinden sich in der Stadt Markkleeberg im Landkreis Leipzig. Die Stadt Markkleeberg hat rund 24.700 Ein-wohner. Die Verbindung wurde am 1. April 1928 eröffnet. Die Endhaltestellen Wahren und Dölitz werden tagsüber im 10-Minuten-Takt bedient und die Außenabschnitte im 20-Minuten-Takt. Zum Einsatz kommen die Fahrzeuge des Typs NGT6 in Doppeltraktion und NGT12 - jeweils 45-Meter-Einheiten.
In Zukunft soll die Haltestelle Wahren für die Linie 11 aufgegeben und zur Haltestelle Hänichen, Bismarckturm verschoben werden, wo auch der Bau einer Freiabstellanlage vorgesehen ist.

   

HALLE-SCHKOPAU-MERSEBURG-LEUNA-BAD DÜRRENBERG

Mit der Halleschen Verkehrs-AG (Sachsen-Anhalt) wird die Linie 5 mit einer Länge von 31 Kilometern betrieben, die 57 Haltestellen bedient, wovon drei End-haltestellen sind, und die Städte Halle, Schkopau, Merseburg, Leuna und Bad Dürrenberg verbindet. Sie ist eine Fünf-Städte-Linie, die längste Straßenbahn-linie im Netz und die länge Überlandstraßenbahnstrecke in Sachsen-Anhalt. In der DDR war sie über mehrere Jahre hinweg die längste Straßenbahnlinie - damals als Linie 15. Die Endhaltestelle Kröllwitz befindet sich im Norden von Halle und führt nach Süden bis zur Stadtgrenze in den Ortsteil Ammendorf-Beesen. Am 5. Oktober 1899 wurde die Elektrische Straßenbahn Halle-Merseburg gegründet und errichtete bis 1902 die Verbindung bis Ammendorf (seit 1950 zur Stadt Halle (Saale) eingemeindet), danach Schkopau und schließlich Merseburg. An der Merseburger Straße wurde der Betriebshof Ammendorf in Betrieb genommen. Die Merseburger Überlandbahn AG (MÜBAG) wurde am 11. April 1913 gegründet und verlängerte der Strecke nach Mückeln, die 1918 fertig gestellt wurde. Man benötigte jedoch keine fünf Jahre Bauzeit, sondern der Erste Weltkrieg kam dazwischen. 1919 pachtete die MÜBAG den Ast zwi-schen Halle und Mücheln. Im selben Jahr begann der Gleisbau zwischen Merseburg nach Rössen (seit 1930 zur Stadt Leuna eingemeindet). 1919 wurde im heutigen Merseburg-Süd eine weitere Abstellhalle errichtet, 1926 umgebaut und 2004 geschlossen. Gelegentlich wird das Gleisvorfeld bei Bauarbeiten im Pendelverkehr genutzt. 1920 erfolgte dann der Weiterbau nach Daspig, Spergau und Fährendorf. 1926 verlängerte man den Ast von Merseburg nach Bad Dürrenberg. Durch den Zweiten Weltkrieg gab an der Infrastruktur Zerstörungen, darunter im Bereich der Chemiewerke Leuna. 1945 sprengten die Ameri-kaner zwei Brücken, sodass die Straßenbahn erst 1950 wieder komplett fahren konnte. 1951/1952 wurden die Gesellschaften Städtische Straßenbahn in Halle und Merseburger Überlandbahn AG zum VEB (K) Straßen- und Überlandbahn Halle. In den Jahren zuvor und danach fanden Streckenverlegungen und Stilllegungen statt. Ab 1957 erfolgte die Stilllegung zwischen Merseburg und Mücheln durch den Tagebau im Geiseltal (1698-1993). 1968 folgte Merseburg-Süd bis Frankleben. Im gleichen Jahr wurde zwischen Daspig und Fährendorf eine neue Streckenführung errichtet. 1974 legte man den alten Ast zwischen Daspig, Spergau und Fährendorf still und baute ihn zurück. 1997 schließ der Betriebshof Ammendorf und wurde Anfang 2018 abgebrochen. Die Stadt Schkopau hat rund 10.900 Einwohner, Merseburg rund 34.200, Leuna rund 14.000 und Bad Dürrenberg rund 11.800 Einwohner. Die Haltestellen zwischen Kollenbeyer Weg und Bad Dürrenberg befinden sich im Saalekreis. Die Endhaltestellen Ammendorf und Bad Dürrenberg werden tagsüber im 30-Minuten-Takt bedient. Zum Einsatz kommen Fahrzeuge des Typs MGT6D - eine 30-Meter-Einheit.

   

GOTHA-WALTERSHAUSEN-FRIEDRICHRODA-TABARZ

Beginnend am Bahnhof Gotha (Thüringen) fährt die Linie 4 der Thüringerwaldbahn und Straßenbahn Gotha mit einer Länge von 21,7 Kilometern an den Nord-rand des Thüringer Waldes und bedient 22 Haltestellen, wovon fünf Endhaltestellen sind, durch die Städte Gotha, Waltershausen, Friedrichroda und Bad Tabarz. Sie ist eine Vier-Städte-Linie und die längste Straßenbahnlinie im Netz. Am 21. November 1911 vereinbarten das Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha und die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft (AEG) den Bau eines Elektrizitätswerk außerhalb Gothas sowie einer Überlandstraßenbahn nach Tabarz. Vorherige Versuche sind gescheitert. Durch den Ersten Weltkrieg und einer Wirtschaftskrise verzögerte sich der Bau. Schließlich konnte am 17. Juli 1929 die eingleisige Überlandstraßenbahn mit einer Spurweite von 1000 mm in Betrieb genommen werden. Im Februar 1946 wurde ein Brückenbauwerk gesprengt und es fand ein Pendelverkehr vor und hinter der Brücke statt. Ab Oktober 1947 konnte die Strecke wieder komplett befahren werden. Erst im Herbst 1958 erhielt die Überlandstraßenbahn eine Liniennummer, und zwar die 4. Und am 1. November 1971 erfolgte ein Abzweig vom Gleisdreieck Waltershausen zum Bahnhof Waltershausen. Seit 2007 wird diese von der Linie 6 bedient.

 

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