Die Straßenbahn wurde auch als Transportmittel für Güter genutzt – und lebt wieder auf

Nachdem die elektrische Straßenbahn für den Personenverkehr in Betrieb genommen wurde, sollte sie später auch Güter durch die Stadt transportieren. Viele Fabriken hatten ihren eigenen Gleisanschluss an einen Güterbahnhof, andere Betriebe brachten ihre Waren mit Lastkraftwagen zu Verladestellen. Oder sie transportierten ihre Güter ausschließlich mit Lastwagen. Betriebe, die sich in dichten Quartieren befanden, hatten ein Problem mit dem Transport ihrer Waren auf Straßen, da sie meist verstopft und die Abgase nicht umweltfreundlich waren. Und so nutzte man die Straßenbahn auch für den inner- und außer-betrieblichen Güterverkehr. Zum außerbetrieben Güterverkehr zählen beispielsweise der Transport von der Fabrik zum Güterbahnhof oder einer Abladestelle, zur nächsten Fabrik oder auch zu Großmarkthallen. Den innerbetrieblichen Güterverkehr nutzten die Straßenbahngesellschaften, um beispielsweise Brems-sand in die Betriebshöfe und an den Wendeschleifen oder Fahrmotoren und Drehgestelle zwischen den Betriebshöfen zu transportieren. Vor allem Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Straßenbahnen auch für den Potsverkehr zwischen den Ämtern genutzt. Die Deutsche Reichspost betrieb von 1901 bis 1951 in Frankfurt am Main ihre erste eigene elektrische Poststraßenbahn. Zum Einsatz kam jeweils ein Arbeitstriebwagen mit oder ohne Arbeitsbeiwagen. Die Bei-wagen waren geschlossene Wagen, so für den Markthallen- und Postverkehr, Flachwagen und Kipploren.

Vorstellung ausgewählter Betriebe

Postverkehr im Lockwitztal

Zwischen 1906 und 1977 gab es im Lockwitztal (Sachsen), vor den Toren der Stadt Dresden, die Lockwitztalbahn, die auch als Güterstraßenbahn fuhr. Sie beförderte den Posttransport, dessen Amt sich neben dem Straßenbahnhof befand. Nach 1990 wollte ein Verein die Lockwitztalbahn als Museumsstraßen-bahn wieder in Betrieb nehmen, sie hatte sogar die passenden Fahrzeuge, doch die Gemeinde verbot die Beheimatung der Straßenbahnen im ehemaligen Straßenbahnhof, dass sie als Lager nutzte. So scheiterte im Jahr 2007 das Projekt. Ein Busfahrer der Dresdner Verkehrsbetriebe und Mitglieder des Straßen-bahnmuseums Dresden e.V. haben einen ehemaligen Postbeiwagen aufgearbeitet, der im Museum besichtigt werden kann. Aufgrund seiner Spurweite von 1000 mm, kann er nicht im Streckennetz von Dresden eingesetzt werden, da dieses eine Spurweite von 1450 mm besitzt.

   

CarGoTram für Automobile in Dresden

Seit Dezember 2001 verkehrt in Dresden (Sachsen) wieder eine Güterstraßenbahn. Die sogenannte CarGoTram transportiert Komponenten für Volkswagen zwischen der Gläsernern Manufaktur am Großen Garten und dem Güterverkehrszentrum im Ortsteil Friedrichstadt. Der Autohersteller wollte ein Erlebnis des Autobaus in der sächsischen Hauptstadt schaffen. Damit viele davon Wind bekommen, sollte sie sich am Stadtzentrum befinden. Es gab Bürgerproteste für den Standort. Von verschiedenen Seiten wurde ein umweltverträgliches Logistikkonzept gefordert. Die Dresdner Verkehrsbetriebe schlugen 1999 den Betrieb einer Güterstraßenbahn vor. Im selben Jahre und bis 2000 begannen die Konzeptionen und die Ausschreibung und der Bau der Fahrzeuge. An beiden Produk-tionsstandorten befanden sich Gleisanlagen, sodass nur die Anschlussgleise fehlten. Am 16. November 2000 war es dann soweit und die CarGoTram kam auf Dresdner Gleisen. Es handelt sich dabei um zwei fünfteilige und 60 Meter lange Zweirichtungszüge, mit zwei Steuer- und drei Mittelwagen. Zur Reserve wurden ein weiterer Steuer- und Mittelwagen angeschafft. Für die Neubaufahrzeuge wurden Drehgestellte ausgemusterter Fahrzeuge des Typs T4D genutzt. Sie können 60 Tonnen Güter aufnehmen und drei Lkw-Fahrten ersetzen. Die Güterstraßenbahn wird von den Dresdner Verkehrsbetrieben beheimatet, ge-wartet und gefahren. Zwischen den Produktionsstandorten sollte sie werktags 30 Mal verkehren, doch es waren nur maximal 10 Fahrten. Die Komponenten dienten der Herstellung der Fahrzeuge VW Phaeton und Bentley Flying Spur. Mit Ende der Autoproduktion wurde im März 2016 der Straßenbahnbetrieb ein-gestellt. Ein Jahr später verkehrte die CarGoTram wieder und transportiert seitdem Komponenten für den e-Golf.

Innerbetrieblicher Güterverkehr in Leipzig

Bis zum 20. März 2013 fand bei den Leipziger Verkehrsbetrieben (Sachsen) ein Werkstattverkehr auf und zwischen den Betriebshöfen statt. Zuletzt waren drei Triebwagen des Typs T4D im Einsatz, die eine unterschiedliche Farbgebung trugen. Die Triebwagen 5031, 5032 und 5033 lösten im Jahr 1999 den Arbeitswagenfuhrpark mit Gothatriebwagen ab, und waren mit den Flachloren 5041, 5042, 5043, 5044 und 5045 gekoppelt. Meistens zwei Triebwagen und zwei Beiwagen. Die Flachloren entstanden in den Jahren 1995 bis 1996 auf ehemaligen Gotha-Fahrgestellen. Sie transportierten beispielsweise Drehgestelle der Tatrawagen. Doch der Güterschienenverkehr lohnte sich nicht mehr und wurde komplett durch Lastkraftwagen ersetzt.

   

Mit DHL durch Berlin und Frankfurt

Am 17. September 2018 stellten die Verkehrsgesellschaft Frankfurt am Main mbH (Hessen) mit ihren Partnern die Logistiktram.de vor. In einer ersten Test-phase im Herbst 2018 wurde mit einem Fahrzeug des Typs S-Wagen im Türbereich sogenannte Microdepots transportiert. Diese Microdepots sind große Holzkisten mit Paketen. Beladen wurden sie im Betriebshof Gutleut und zur Festhalle/Messe gefahren. Dort wurden sie Fahrrädern mit einem Anhänger, die die Microdepots tragen, übergeben und zu den Empfängern gebracht. Später holte die Logistiktram die Microdepots wieder ab. In einer zweiten Testphase im Frühjahr 2019 wurde das Pilotprojekt erneut getestet. Versandpartner ist Hermes. Dasselbe, nur mit DHL, plant auch die Hauptstadt Berlin. Dazu hat die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz die Planungen für eine Güterstraßenbahn nach Vorbild der CarGoTram in Dresden aufgenommen.

 

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