Die Pferdebahn ist zurück in der Stadt – Museumsstraßenbahn und Touristenattraktion

Nachdem der Döbelner Hauptbahnhof (Sachsen) in Betrieb genommen wurde, fehlte eine Verbindung in das rund zwei Kilometer entfernte Stadtzentrum. Die Pferdebahn genoss damals ihre Blütezeit und so wurde am 10. Juli 1892 zwischen Hauptbahnhof und Obermarkt eine Pferdestraßenbahn eröffnet. Danach wurde sie am 8. September 1892 auf über 450 Metern zum Gasthaus Weißes Kreuz verlängert. Ihre Spurweite ist 1000 mm. Während nur 500 Meter zweigleisig waren, führte die Strecke zum Gasthaus acht Ausweichen. Das Depot befand sich an der Bahnhofstraße und da sie neben Personen auch die Post und Güter transportierte, gab es einen Abzweig zum Postamt.

   

Personenwagen, Postwagen und Salzstreuwagen

Zum Fuhrpark gehörten anfangs drei Personenwagen, die bis 1912 auf sieben anwuchs. Sie verfügten über 12 Sitz- und 15 Stehplätze. Für den Postverkehr gab es einen Postwagen und für den Winter einen Salzstreuwagen. Der gegenwärtige Pferdebahnwagen mit der Nummer 1 ist kein Döbelner Original, sondern kommt von der Meißner Straßenbahn, die von 1899 bis 1936 bestand. Gebaut wurde der Meißner Triebwagen 1 im Jahr 1898 bei der Waggonfabrik Gottfried Lindner in Ammendorf bei Halle (Sachsen-Anhalt). Der 2003 geborgene Fahrzeugkasten wurde 1936 verkauft, jedoch ohne Motoren, Fahrgestell und Stromabnehmer. Bis 2002 wurde der ehemalige Triebwagen als Hühnerstall genutzt. Der "Traditionsverein Döbelner Pferdebahn e.V." konnte dann 2003 nach anfänglichen Schwierigkeiten den Wagen von der Eigentümerin erwerben. Aufgearbeitet wurde die Straßenbahn im Sächsischen Fortbildungs- und Umschulungswerk Dresden e.V. (SUFW). Das Fahrgestell wurde neu zusammengebaut.

   

Einstellung erfolgte erst 1926

Ende der 1890er Jahren begannen viele Städte, ihren Pferdebahnbetrieb zu elektrifizieren. Die Pferde wurden gegen einen Stromabnehmer ausgetauscht und es konnte mit höheren Geschwindigkeiten und mehreren gekoppelten Fahrzeugen gefahren werden. Doch in Döbeln dachte man nicht an die elektrische Straßenbahn. Aber an Omnibusse, die im Jahr X eingeführt wurden. Der Pferdebahnbetrieb wurde am 20. Dezember 1926 eingestellt und durch Omnibusse ersetzt.

   

Rückbau und Wiedereröffnung

Die alten Gleisanlagen wurden 1928 zwischen Hauptbahnhof und Niedermarkt zurückgebaut. Und der Abschnitt bis zum Obermarkt und Weißem Kreuz liegt teilweise noch heute bzw. wurde in den 1980er Jahren und auf dem Obermarkt bei seiner Neugestaltung 2006 abgebrochen. Doch 81 Jahre später wurde die Döbelner Pferdebahn wiedereröffnet. Zuvor gründeten 25 Engagierte im Jahr 2002 den "Traditionsverein Döbelner Pferdebahn e.V." für die Wiederbelebung der alten Döbelner Pferdebahn als Museumsbahn und den Aufbau eines Museums, das sich mit der Geschichte der Pferdebahn befasst. Damit will der Verein einen Beitrag zur Steigerung der Attraktivität der Stadt Döbeln leisten. Für den Neubau der Gleisanlagen wurden gebrauchte Schienen aus Chemnitz, Cottbus und Leipzig verwendet. Und am 9. Juni 2007 war es dann soweit. Zwischen Obermarkt und Theater fuhr wieder eine Pferdebahn. Im Dezember selben Jahres erfolgte der Kauf des ehemaligen Kindergartens an der Flutmulde Döbeln, um ein Depot und das Deutsche Pferdebahnmuseum einzurichten, welches am 13. Juni 2009 eröffnet wurde. Sechs Monate später, am 4. Dezember, ging auch der Gleisanschluss zwischen Depot und Theater in Betrieb. Sodass die Döbelner Pferdebahn auf 750 Metern Länge unterwegs ist. Die Strecke führt vom Pferdebahnmuseum zum Theaterhaus, durch die Bahnhofstraße zum Niedermarkt und danach durch die Bäckerstraße zum Obermarkt.

   

   

Pferdebahnbetrieb

An jedem ersten Samstag von Mai bis Oktober, zwischen 10.00 und 12.00 Uhr sowie 14.00 und 16.30 Uhr, verkehrt die Döbelner Pferdebahn zwischen Deutschem Pferdebahnmuseum und Obermarkt. Am Obermarkt wird das Pferd umgespannt. Die Fahrtdauer beträgt insgesamt etwa 20 bis 30 Minuten. Neben den regulären Fahrtagen kann die Pferdebahn auch zu Sonderfahrten gemietet werden.

   

Deutsches Pferdebahnmuseum

Das Deutsche Pferdebahnmuseum wurde am 13. Juni 2009 eröffnet und schildert die Pferdebahngeschichte in Döbeln, Deutschland und der Welt wieder. Angefangen hat alles im Jahr 1832 in New York mit der ersten Pferdebahn. Im Museum kann sich auf Schautafeln über deren Geschichte informiert werden. Historische Aufnahmen zeigen den damaligen Betrieb. Und Exponate lassen die Pferdebahn aus vergangenen Zeiten anfassen. Das Angebot runden Pferde-bahnmodelle ab. Im Depot stehen zwei Pferdebahnwagen. Der gegenwärtige als ehemaliger Triebwagen 1 der Meißner Straßenbahn und ein geschlossener Personenwagen aus der Schweiz, zwischen 1994 und 1997 auch in Naumburg (Sachsen-Anhalt) als Pferdebahnwagen im Einsatz, der im Mai 2019 sich nun im Museumsgarten befindet. Die die Wagenhalle klein ist, passen nur zwei Fahrzeuge rein. Am 27. Mai 2019 erhielt das Pferdebahnmuseum ein neues Fahrzeug. Es handelt sich um den 1886 gebauten Pferdebahnwagen aus Philadelphia (USA), der bei der Dresdner Straßenbahn im Einsatz war. Bis 1918 diente er dann als Beiwagen und danach als Salzstreuwagen. 1952 begann die Restaurierung durch das Verkehrsmuseum Dresden. Beheimatet jahrelang aber im Depot am Bahnbetriebswerk Dresden-Altstadt, sodass er nun für zehn Jahre eine Leihgabe in Döbeln ist. Die Spurweite ist jedoch 1445 mm, sodass der Wagen sein eigenes Gleisbett im Depot hat und nicht im Pferdebahnbetrieb eingesetzt werden kann.

   

Geöffnet ist das Museum dienstags bis freitags von 10.00 bis 12.00 Uhr und 13.00 bis 17.00 Uhr sowie samstags von 10.00 bis 12.30 Uhr. Wenn Fahrtage sind, dann bis 17.00 Uhr. Zudem bleibt das Museum an gesetzlichen Feiertagen in Sachsen, am 24. und 31. Dezember und an den ersten zwei Wochen im Januar geschlossen. Keine Gewähr auf die Richtigkeit der Angaben.

Zur Website der Döbelner Pferdebahn und des Deutschen Pferdebahnmuseums.

 

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